Methode der ökologischen Knappheit
Version 2006
Die Ökobilanzbewertungsmethode der ökologischen Knappheit wurde im Jahr 2008 für die Schweiz aktualisiert. ESU-services hat zusammen mit Vertretern aus der Wirtschaft (Mitgliedsfirmen der Schweizerische Vereinigung für ökologisch bewusste Unternehmungsführung, ÖBU) und Bundesbehörden eine umfangreiche Neubearbeitung erstellt. Dabei wurde erstmals auch die Wassernutzung bewertet und zwar entsprechend ihrer regionalen Knappheit. Die Methode der ökologischen Knappheit war damit die erste vollagreggierende Bewertungsmethode mit vollständig integriertem water footprint.
Die aktuelle Publikation beschreibt die Herleitung der Ökofaktoren, die einerseits die aktuelle Emissionssituation und anderseits die schweizerischen oder von der Schweiz mitgetragenen internationalen Emissionsziele widerspiegeln.
Eine Version 2011 ist zur Zeit in Vorbereitung und wird voraussichtlich in 2013 publiziert.
Auftraggeber: Bundesamt für Umwelt (BAFU)
Kontakt: Rolf Frischknecht
Vorgehen
Die Methode der ökologischen Knappheit gewichtet in einer Ökobilanz verschiedene Umweltwirkungen - Schadstoffemissionen und Ressourcenverbrauch - mittels so genannter Ökofaktoren. Der Ökofaktor eines Stoffes leitet sich aus der Umweltgesetzgebung oder entsprechenden politischen Zielen ab. Je mehr die aktuellen Emissionen resp. der Verbrauch an Ressourcen das gesetzte Umweltschutz-Ziel überschreiten, desto grösser wird der Ökofaktor, ausgedrückt in Umweltbelastungspunkten (UBP). Ein Ökofaktor wird in seiner Grundform aus drei Elementen hergeleitet (entsprechend der ISO-Norm 14044): Charakterisierung, Normierung und Gewichtung.
Schadstoffe, die zu einem bestimmten Umweltproblem wie beispielsweise Klimawandel beitragen, werden im ersten Schritt entsprechend ihrer Wirksamkeit mit einem Charakterisierungsfaktor versehen. Bei den Treibhausgasen sind dies die Treibhauspotenziale gemäss IPCC. In der Normierung wird quantifiziert, wie gross der Beitrag einer Einheit eines Schadstoffes oder einer Ressourcennutzung an die gesamte Belastung einer Region (hier der Schweiz) pro Jahr ist. Die Gewichtung bezieht sich auf das Verhältnis der momentanen Schadstoffemission resp. des Ressourcenverbrauchs (aktueller Fluss) zu den politisch festgelegten Emissions- resp. Verbrauchszielen (kritischer Fluss). Die daraus resultierenden Ökofaktoren in Ökopunkten pro kg Schadstoff resp. Ressource werden mit den in der Sachbilanz eines Produktes oder eines Standortes ermittelten Emissionsmengen und Ressourcenverbräuchen multipliziert. Die Bewertungsergebnisse können dann zum Vergleich verschiedener Produkte, in der Prozess- und Produktoptimierung, zur Analyse der Gesamtbelastung eines Firmenstandortes oder Landes herangezogen werden.
Anwendung in der Schweiz
Die Methode 2006 wurde erstmals in einer Ökobilanz von Biotreibstoffen angewendet. Das Science Magazin hob hierbei den Nutzen einer einfachen Beurteilung der Umweltbelastungen hervor. Die Methode wird in der Schweizer Verordnung zur Prüfung einer Steuerbefreiung von Biotreibstoffen (TrÖbiVO) vorgeschrieben.
Die Methode wird heute von den meisten Ökobilanzierern in der Schweiz angewendet. Von folgenden Forschungsinstituten und Beratungsbüros gibt es z.B. Publikationen (alphabetisch):
- agroscope (Umweltbericht)
- Carbotech (Biomaterialien)
- Doka Ökobilanzen (Bewertung Lärm)
- Gammarus (Restaurant)
- E2 Management Consulting AG (Unternehmenskennzahlen)
- EMPA (Agrotreibstoffe, Kaffeekapseln)
- ESU-services GmbH (Ernährung, Energiebereitstellung)
- ETH Zürich (Gemüse)
- INFRAS (Umweltbericht)
- myClimate (diverse Produkte)
- Paul Scherrer Institut - PSI (Elektromobilität)
- sinum (Bankdienstleistungen)
Verwendet wird die Methode in der Schweiz für eine Vielzahl von Produktökobilanzen und Betriebsbilanzen für Verbände, Firmen und Behörden, u.a.:
- nationale Behörden, insbesondere die Bundesämter für Strassenbau, für Umwelt, für Zivilluftfahrt, für Bauten und Logistik, für Energie, und für Landwirtschaft (ASTRA, BAFU, BAZL, BBL, BFE, BLW)
- Nationale Organisationen und Vereine wie die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB) und eco-bau
- Städtische Auftraggeber aus Zürich, Basel, Luzern, etc.
- Firmen wie Baer, Coop, CS, ewz, Geberit, Knecht und Müller, McDonalds, Migros, Post, Raiffeisen, SBB, UBS
- NGO's wie WWF Schweiz, Climatop, VUE
In einer aktuellen Studie wurden erstmals auch die Gesamtumweltbelastungen des Schweizer Konsums und der Produktion in der Schweiz mit der Methode der ökologischen Knappheit 2006 ausgewertet.
Internationale Anwendungen
International findet die Methode steigende Beachtung. So haben wir eine Japanische Version der Methode der ökologischen Knappheit im Rahmen eines Biotreibstoff Forschungsprograms entwickelt. Auch Anpassungen für andere Länder, z.B. Jordanien sind uns bekannt.
Ein Deutsches Forschungsinstitut hat den methodischen Ansatz explizit empfohlen als Basis für die Entwicklung einer deutschen Methode der Wirkungsabschätzung für Ökobilanzen.
Die Methode wird auch im Rahmen der Umweltberichterstattung für Standorte der Autohersteller Volkswagen und DaimlerChrysler verwendet.
Eine Ökobilanz zu Getränkebechern aus fossilen und biogenen Materialien für die EURO 2008 mit Auftraggebern aus der Schweiz, Deutschland und Österreich wurde ebenfalls mit dieser Methode bewertet.
Das DG-JRC in Ispra empfiehlt die in der Methode der ökologischen Knappheit 2006 verwendeten Ansätze zur Bewertung der Wassernutzung und zur Bewertung radioaktiver Strahlung. Die Empfehlungen wurden von den führenden europäischen Bewertungsexperten erarbeitet.
Publikationen
Folgende Dokumente stehen zum download bereit:
- In einem Konferenzbeitrag werden wesentliche Aspekte erklärt (Paper und Folien)
- Der vollständige Bericht ist auf der Homepage des BAFU publiziert.
- Die Bewertungsfaktoren sind in folgenden Formaten verfügbar:
- EcoSpold für ecoinvent Daten v2.0 (HTML, XML and Excel Tabelle)
- SimaPro CSV-Dateien zum direkten Import und Bewertung von ecoinvent Daten (Bitte unbeding Patch 7.1.8 von Pre installieren) - GoogleTM Earth Layer zur Darstellung regionalisierter Wasserknappheiten, kompatibel mit der Methode der ökologischen Knappheit 2006.
- Der Bericht zur UBP-Bewertung für den Wasserverbrauch von Treibstoffen mit der Methode der ökologischen Knappheit 2006
- Charakterisierungsfaktoren der durch das DG-JRC, IEA empfohlenen midpoint LCIA Methode "resource depletion, water", erhältlich im csv Format (kompatibel für den Import in SimaPro)
- Charakterisierungsfaktoren der durch das DG-JRC, IEA empfohlenen midpoint LCIA Methode "ionising radiation, human health", erhältlich im csv Format (kompatibel für den Import in SimaPro)
Alle Dateien werden ohne Gewähr zur Verfügung gestellt.
- Frischknecht, R., Steiner, R., Jungbluth, N. 2008:Methode der ökologischen Knappheit - Ökofaktoren 2006. Methode für die Wirkungsabschätzung in Ökobilanzen. Öbu SR No. 28/2008, Bundesamt für Umwelt (BAFU), ÖBU Schweizerische Vereinigung für ökologisch bewusste Unternehmungsführung, Zürich und Bern.
- Frischknecht, R., Steiner, R., Jungbluth, N. 2009: Methode der ökologischen Knappheit - Ökofaktoren 2006. Umwelt-Wissen Nr. 0906. Bundesamt für Umwelt (BAFU), Bern.
- Frischknecht R., Jungbluth N. and Pfister S. 2009: UBP-Bewertung für den Wasserbedarf von Treibstoffen. ESU-services, Uster, im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU), Bern.


